Liebe Naturfreunde und Mitglieder des NABU Birkenfeld,
es gibt erfreuliche Nachrichten aus unserer Nationalparkstadt Idar-Oberstein, die zeigen, dass moderne Stadtentwicklung und konsequenter Naturschutz Hand in Hand gehen können. Im Fokus steht die historische Pappelallee an der Struthstraße, deren Erhalt uns als NABU Kreisgruppe besonders am Herzen liegt.
Transparenz schafft Vertrauen: Die „vorherige Information“
Ein entscheidender Punkt für uns war die vorherige Information und frühzeitige Einbindung unserer Kreisgruppe durch die Stadtverwaltung. Chris Gehrmann und Stadtförster Christian Sanders haben hier ein vorbildliches Maß an Transparenz bewiesen, indem sie uns bereits im Planungsprozess über die notwendigen Verkehrssicherungsmaßnahmen informierten. Diese Form der Kooperation zwischen Behörden und dem NABU ist genau der Weg, den wir uns für den gesamten Landkreis Birkenfeld und seine Verbandsgemeinden wünschen.
Echte Investition in den Erhalt statt schneller Säge
Oftmals werden alte Bäume aus Sorge um die Verkehrssicherheit vorschnell gefällt. In Idar-Oberstein hat man sich jedoch für eine echte Investition in den Erhalt entschieden. Anstatt den circa 100 Jahre alten Bestand an der Struthstraße einfach zu roden, kommt modernste Technik zum Einsatz. Durch statische Zugversuche des spezialisierten Büros „Bloch - Gesamtkonzept Baum“ wird die tatsächliche Standfestigkeit jedes einzelnen Baumes präzise ermittelt. So müssen nur die Bäume entnommen werden, bei denen tatsächlich Gefahr im Verzug ist, während vitale Baumveteranen erhalten bleiben können.
Ein Gewinn für Natur und Umwelt
Was uns besonders freut: Selbst dort, wo Fällungen unvermeidbar sind, geschieht dies mit Blick für Natur und Umwelt. Die betroffenen Bäume werden nicht bodengleich abgesägt, sondern als sogenannte Habitat-Torsi in einer Höhe von drei bis vier Metern belassen. Diese Stämme bieten wertvollen Lebensraum für Käfer, Vögel und Fledermäuse und fungieren als wichtige Trittsteinbiotope in unserer „Hotspot-Region für biologische Vielfalt“. Damit orientiert sich die Stadt an den naturnahen Prinzipien, die wir auch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald schätzen: Totholz ist kein Abfall, sondern lebendiger Lebensraum.
Zukunftsweisende Planung mit der Schwarznuss
Um die ökologische Nische langfristig zu sichern, wird der Bestand durch die Pflanzung von Schwarznussbäumen (Juglans nigra) ergänzt. Diese Baumart gilt als besonders klimaresilient, da sie Hitze und Trockenheit besser verträgt als viele heimische Arten und zudem durch ihr tiefgreifendes Wurzelsystem eine hohe Standsicherheit an Hanglagen bietet. Damit wird heute schon der Grundstein für die Allee der nächsten 100 Jahre gelegt.
Unser Fazit: Sehr positiv!
Die NABU Kreisgruppe Birkenfeld bewertet das Vorgehen in der Struthstraße als sehr positiv. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine Nationalparkstadt ihrer Verantwortung gerecht wird. Durch den Erhalt von Altbäumen wird nicht nur das Stadtbild bewahrt, sondern auch ein messbarer Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der Artenvielfalt geleistet.
Glückwunsch an Idar-Oberstein zu dieser weitsichtigen Entscheidung! Wir hoffen, dass dieses Projekt Schule macht und auch in anderen Gemeinden unseres Landkreises als Vorbild für einen kooperativen und fachlich fundierten Baumschutz dient.
Der Vorstand