Klimaschutz auf dem Supermarktdach

Warum unsere Lebensmittelhändler eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielen

KI-generiert / So könnte ein solcher Markt aussehen.
KI-generiert / So könnte ein solcher Markt aussehen.

Wir alle brauchen sie für unsere tägliche Versorgung, doch sie sind echte Energiefresser: unsere regionalen Supermärkte. Die NABU Kreisgruppe Birkenfeld beleuchtet, warum gerade die großen Flachdächer des Einzelhandels ein enormes, oft noch ungenutztes Potenzial für den Naturschutz und die lokale Energiewende bieten.

 

Wer durch den Nationalparklandkreis Birkenfeld fährt, sieht zunehmend Freiflächen-Photovoltaikanlagen (PV-FFA) auf Wiesen und Äckern. Aus Sicht des Naturschutzes bedeutet jeder Quadratmeter in der freien Landschaft einen Eingriff in Ökosysteme und Lebensräume. Um diesen Flächendruck zu minimieren, müssen wir versiegelte Flächen konsequent nutzen. Und hier rücken Supermärkte in den Fokus.

 

Hoher, aber notwendiger Energiebedarf

Ein typischer moderner Supermarkt mit rund 1.500 Quadratmetern Verkaufsfläche benötigt jeden Tag massiv Energie – im Schnitt etwa 1.167 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Das entspricht fast dem halben Jahresverbrauch eines sparsamen Single-Haushalts, und das jeden einzelnen Tag.

 

Der Grund dafür ist simpel und notwendig: Die Gewerbekühlung. Über 50 Prozent des gesamten Stroms fließen in Kühlregale und Tiefkühltruhen. Diese laufen 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, um unsere Lebensmittel frisch und sicher zu halten. Doch genau dieser konstante, hohe Bedarf macht Supermärkte zum idealen Ort für eine vernünftige und lokale Nutzung von Sonnenenergie.

 

Lokale Nutzung: Strom verbrauchen, wo er entsteht

Das Prinzip ist einfach: Je mehr Strom direkt dort verbraucht wird, wo er produziert wird, desto weniger müssen unsere Stromnetze ausgebaut werden. Für Supermärkte ist eine PV-Anlage auf dem Dach ein doppelter Gewinn. Da die Kühlanlagen gerade tagsüber an heißen Sommertagen unter Volllast laufen – wenn auch die Sonne am stärksten scheint –, wird der produzierte Sonnenstrom fast zu 100 Prozent direkt im Markt selbst genutzt.

 

Rechnet man dieses Szenario für das Sommerhalbjahr (April bis September) durch, zeigt sich Erstaunliches: Rüstet ein Markt sein ohnehin versiegeltes Flachdach komplett mit einer dicht gepackten Ost-West-Solaranlage aus, kann er seinen Strombedarf tagsüber fast vollständig selbst decken.

 

Die Herausforderung der Nacht: Salzwasser-Speicher als ökologische Option

Um auch nachts, wenn die Sonne untergegangen ist, die Kühlung mit dem eigenen Sonnenstrom am Laufen zu halten, wird ein Batteriespeicher benötigt. Bisher dominieren hier klassische Lithium-Ionen-Akkus den Markt. Doch es gibt mittlerweile eine hochspannende, naturnahe Option: Salzwasserspeicher.

 

Auch wenn diese Technologie noch eine Nische ist, bietet sie gerade für große Gebäude entscheidende Vorteile:

  • Ökologisch sauber: Sie kommen komplett ohne seltene oder umstrittene Rohstoffe wie Kobalt, Nickel oder Lithium aus. Die Materialien (wie Salzwasser und Kohlenstoff) sind ungiftig und am Ende ihrer Lebensdauer voll recycelbar.
  • Maximale Sicherheit: Da der Elektrolyt aus Salzwasser besteht, können diese Speicher weder brennen noch explodieren. Das spart im Einzelhandel teure Brandschutzmaßnahmen.
  • Langlebigkeit: Sie können ohne Kapazitätsverlust komplett entladen werden und sind extrem robust.

Aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts brauchen sie zwar mehr Platz, für die langsame und ausdauernde Stromversorgung der nächtlichen Kühlung sind sie jedoch eine ökologisch hochinteressante Alternative.

 

Unser Appell an die Kommunalpolitik im Landkreis Birkenfeld

Die Energiewende darf nicht weiter einseitig auf den Schultern der Natur ausgetragen werden. Wir fordern die politischen Entscheidungsträger und Planungsbehörden in unseren Verbandsgemeinden und Städten auf, bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete und der Genehmigung von Einzelhandelsmärkten konsequent zu handeln.

 

Photovoltaik auf großflächigen Gewerbedächern und die Überdachung der zugehörigen Parkplätze mit PV-Carports müssen in den Bebauungsplänen zwingend vorgeschrieben werden.

 

Freiwilligkeit reicht angesichts des enormen Flächendrucks nicht mehr aus. Ein vernünftiger Umgang mit Photovoltaik bedeutet, den Strom dort zu erzeugen, wo der Energiehunger am größten ist und die Fläche bereits versiegelt wurde. Nur durch verbindliche Vorgaben bei neuen Bau- und Sanierungsprojekten können wir den Flächenfraß stoppen, unsere wertvollen regionalen Biotope bewahren und gleichzeitig die lokale Energieversorgung zukunftssicher gestalten.